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Wild-Enzyklopädie

Hasenspuren

Unauffällig und oft regungslos, ist der Feldhase (Lepus europaeus) nur selten zu sehen, doch er hinterlässt Hinweise: Trittsiegel, Spur, Losung, Sasse und abgebissene Triebe. Wer sie zu lesen weiß, weiß, ob er da ist.

Wildlebender Feldhase an einem Zaun am Rand einer Wiese
Wilder Feldhase, Symbolfoto (kein Tier aus der Zucht von GIBIS): ⁦Hyppolyte de Saint-Rambert⁩, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Dieser Artikel behandelt die Anwesenheitszeichen des Feldhasen. Zur Art siehe Feldhase; zu seinem Jungen siehe Junghase; zum Kaninchen siehe Wildkaninchen.

Das Gelände lesen

Bei vielen unauffälligen Tieren, insbesondere bei nachtaktiven, lässt sich die Anwesenheit weniger durch direkte Beobachtung feststellen als durch Hinweise: Trittsiegel, Losung, Fraßreste, Unterschlüpfe.[4] Der Hase gehört dazu. Seine Biologie und sein Verhalten werden im Artikel Feldhase beschrieben; hier geht es um das, was er hinterlässt. Die Jägersprache unterscheidet dabei genau: Ein einzelner Abdruck ist ein Tritt, eine Folge von Abdrücken eine Spur; das Wort Fährte ist den Abdrücken von Rothirsch, Damhirsch, Reh und Wildschwein vorbehalten.[1] Der Hase hinterlässt also eine „Spur“, wie das Eichhörnchen oder der Fuchs.[2] Am besten lesen sich die Abdrücke im Schnee und auf feuchtem Boden.[1] Ein einzelnes Zeichen bleibt unsicher: Erst das Zusammentreffen von Trittsiegeln, Losung, Sasse und Verbissspuren erlaubt einen Schluss.
Wildlebender Feldhase, aufmerksam sichernd in einem Polder
Wilder Feldhase, Symbolfoto (kein Tier aus der Zucht von GIBIS): ⁦Hans Hillewaert⁩, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Schnee und Schlamm

Die beiden Untergründe, auf denen sich Abdrücke am besten lesen lassen.[1]

Spur, nicht Fährte

Im Deutschen spricht man nur beim Schalenwild von einer Fährte; der Hase hinterlässt eine Spur.[1][2]

Das Trittsiegel

Der Vorderlauf des Feldhasen hat fünf Zehen, doch die innere Zehe, die dem Daumen entspricht, ist kurz, und ihr Abdruck ist nur sehr selten zu sehen. Der Hinterlauf hat nur vier Zehen; er ist länger und schmaler als der Vorderlauf.[3] Feldführer geben Referenzmaße an, die an durchschnittlichen adulten Rammlern genommen wurden: Häsinnen und Jungtiere hinterlassen etwas kleinere Abdrücke.[1] Das Wildkaninchen hat Abdrücke derselben Form, aber kleinere,[3] weshalb die Größe das erste Merkmal ist, um die beiden Arten zu unterscheiden (siehe unten).

Daumen selten abgedrückt

Fünf Zehen am Vorderlauf, darunter ein kurzer Daumen, der sich nur sehr selten abdrückt.[3]

Langer Hinterlauf

Vier Zehen, ein längerer und schmalerer Abdruck.[3]

Die Spur: der Hasensprung

Die Spur des Hasen erkennt man eher an ihrem Bild als an den einzelnen Abdrücken. Beim Hoppeln setzt der Hase seine langen Hinterläufe paarweise vor die kürzeren Vorderläufe: Das ist der sogenannte Hasensprung.[2] Die beiden Vorderläufe stehen nicht nebeneinander, der eine wird etwas vor dem anderen aufgesetzt; je schneller das Tier läuft, desto größer wird der Abstand zwischen zwei Abdruckgruppen.[1] Der Hase kennt nur zwei Gangarten, die einander zudem sehr ähnlich sind: Er bewegt sich in kleinen Sprüngen fort, oder er flüchtet.[2] Jede Gruppe aus vier Abdrücken bildet so ein sich wiederholendes Muster, das sich deutlich von der Spur eines trabenden Fuchses unterscheidet: Dieser setzt seine Läufe fast genau hintereinander, und seine Spur gleicht einer Perlenschnur.[2] Um die Laufrichtung zu erkennen, genügt es, sich zu merken, dass die beiden großen Abdrücke der Hinterläufe in jeder Gruppe vorn liegen.
Wildlebender Feldhase im Sprung über eine gemähte Wiese
Wilder Feldhase, Symbolfoto (kein Tier aus der Zucht von GIBIS): ⁦Miosta⁩, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Zwei Gangarten

Der kleine Sprung und die Flucht, zwei sehr ähnliche Gangarten.[2]

Hinterläufe vorn

Die Hinterläufe werden paarweise vor die Vorderläufe gesetzt.[1][2]

Die Losung

Die Losung des Hasen gleicht Kugeln von 15 bis 20 mm Durchmesser; die des Wildkaninchens sieht ähnlich aus, ist aber kleiner, um 10 mm.[3] Man findet sie mitunter einzeln, oft zu zweit, zu dritt oder zu viert; sie hat die Größe einer kleinen Murmel, eine ovale oder runde, leicht abgeflachte Form und lässt Grasreste erkennen, wie Heuhäcksel.[4] Sie wird nicht zufällig abgesetzt. Im Atez-Tal in Navarra haben Forscher in von Hasen genutzten Bereichen Holzpflöcke eingeschlagen: Die mit einem Pflock markierten Flächen wiesen signifikant mehr Losung auf als benachbarte Flächen ohne Pflock, ein Verhalten, das die Autoren mit einem sozialen Markieren des Reviers in Verbindung bringen. Im Jahresverlauf schwankte die Menge der Losung stark, mit einem Höchststand im Sommer.[9] Die besondere Verdauung des Hasen, der einen Teil seiner Losung wieder aufnimmt, wird im Artikel Feldhase beschrieben.

15 bis 20 mm

Der Durchmesser der Hasenlosung, gegenüber etwa 10 mm beim Kaninchen.[3]

Am Fuß eines Pflocks

Mehr Losung neben einem einfachen Holzpflock, in Navarra.[9]

Eine Überlieferung aus der Praxis

Ovale Losung für die Häsin, runde für den Rammler; eine runde Sasse für sie, eine sehr längliche für ihn: So berichtet es ein Naturkundler der LPO.[4] Unseres Wissens bestätigt keine veröffentlichte Studie dies.

Die Sasse

Der Feldhase gräbt keinen Bau. Er ruht in einer Sasse, die die Briten form nennen: einer einfachen, flachen Mulde im Boden oder im Gras.[6] „Gîte“, das französische Wort für die Sasse, ist übrigens das Wort mit vier Buchstaben, das in französischen Kreuzworträtseln zur Umschreibung „abri du lièvre“ (Unterschlupf des Hasen) gesucht wird. Auf die häufig gestellte Frage, ob der Hase Baue gräbt, lautet die Antwort also nein; es ist das Kaninchen, das in gruppierten Bauen lebt, der Kaninchenkolonie.[3] Die Wahl seiner Unterschlüpfe je nach Jahreszeit wird im Abschnitt „Lebensraum“ des Artikels Feldhase behandelt, die Sasse, in der die Jungen geboren werden, im Artikel Junghase.
Wildlebender Feldhase, in einem Stoppelfeld gedrückt
Wilder Feldhase, Symbolfoto (kein Tier aus der Zucht von GIBIS): ⁦Tylwyth Eldar⁩, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Kein Bau

Eine einfache Mulde im Boden oder im Gras.[6]

Unterschlupf des Hasen

Im französischen Kreuzworträtsel mit vier Buchstaben: gîte, die Sasse.

Wechsel, Triebe und Rinde

Fraßspuren sind oft leichter zu finden als Trittsiegel. Hase und Kaninchen beißen die Triebe, die sie äsen, mit einem glatten, schrägen Schnitt ab, während Rothirsch, Reh oder Schaf ein ausgefranstes Ende hinterlassen; der abgebissene Trieb bleibt oft am Boden liegen, statt gefressen zu werden.[5] Die Höhe des Verbisses hilft, die beiden Arten zu unterscheiden: bis etwa 70 cm beim Hasen, etwa 50 cm beim Kaninchen. An der Rinde sind die Spuren der Schneidezähne 3 bis 4 mm breit, treten paarweise auf und verlaufen meist schräg über den Stamm.[5] Vor allem im Winter beißen Hasen und Kaninchen die Triebe junger Bäume ab, um sie zu fressen, und benagen die Rinde von Bäumen und von dünnen Nadelholzzweigen.[3] Schließlich nutzt der Hase in seinem Streifgebiet regelmäßige Wechsel, Pfade, die er immer an denselben Stellen benutzt (siehe den Abschnitt „Verhalten“ des Artikels Feldhase).
Wildlebender Feldhase am Rand von hohem Gras
Wilder Feldhase, Symbolfoto (kein Tier aus der Zucht von GIBIS): ⁦AlbaneJones⁩, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Schräger Schnitt

Glatt bei Hase und Kaninchen, ausgefranst beim Rothirsch.[5]

Etwa 70 cm

Typische Verbisshöhe des Hasen, gegenüber etwa 50 cm beim Kaninchen.[5]

Wintertriebe

Abgebissene Triebe junger Bäume und benagte Rinde.[3]

Hase oder Kaninchen: die Zeichen auseinanderhalten

Hase und Wildkaninchen hinterlassen Zeichen derselben Art, und gerade ihre Verwechslung wirft die meisten Fragen auf. Die Spur des Kaninchens unterscheidet sich von der des Hasen nur durch ihre Größe: Ein Kaninchen wiegt etwa 2 kg, ungefähr halb so viel wie ein Hase, und seine Abdrücke sind deutlich kleiner; nur ein junger Hase kann eine vergleichbare Spur hinterlassen.[1] Die Losung des Kaninchens ist kleiner, um 10 mm gegenüber 15 bis 20 mm.[3] Der Verbiss des Kaninchens endet tiefer, bei etwa 50 cm gegenüber etwa 70 cm.[5] Das sicherste Zeichen bleibt der Bau: Mehrere dicht beieinanderliegende Eingänge weisen auf eine Kaninchenkolonie hin, also auf Kaninchen, während der Hase nur eine offene Sasse hat.[3][6] Die Unterschiede zwischen den beiden Arten selbst werden im Abschnitt „Hase oder Kaninchen“ des Artikels Feldhase ausführlich dargestellt.

Eine Frage der Größe

Gleiche Formen, kleinere Abdrücke und kleinere Losung beim Kaninchen.[1][3]

Der Bau verrät das Kaninchen

Mehrere gruppierte Eingänge: Das ist eine Kaninchenkolonie.[3]

Von den Zeichen zum Bestandsmonitoring

Spuren dienen nicht nur dem Spaziergänger: Auf ihnen beruhen mehrere Methoden des Bestandsmonitorings. Eine Übersichtsarbeit zu den Verfahren der Bestandsschätzung beim Hasen kommt zu dem Schluss, dass Losungszählungen lokal nützlich sein können, sich aber schwer von einem Lebensraum auf einen anderen übertragen lassen; Scheinwerferzählungen auf kreisförmigen Probeflächen werden dort als die genauesten beurteilt, sind aber schwer zu verallgemeinern.[7] In Neuseeland erwies sich an sechs Standorten eine einfache Zählung der auf kleinen Probeflächen vorhandenen Losung als eng korreliert (r = 0,987) mit der Ansammlungsrate, die auf geräumten Probeflächen gemessen wurde, was sie zu einem ausreichenden Index der Hasendichte macht.[8] In Finnland werden frische Spuren im Schnee seit 1989 jeden Winter auf durchschnittlich 721 dreieckigen Zählstrecken erfasst, und der Index wird in Spuren pro 10 km und Tag ausgedrückt: Im Zeitraum 1989-2024 hat sich der Bestand des Feldhasen mehr als verzehnfacht.[10] In offenen Agrarebenen ist die nächtliche Scheinwerferzählung die Referenz. In Deutschland gilt die Scheinwerfertaxation als die zuverlässigste Methode in flachen, deckungsarmen Agrarlandschaften; sie zählt die Hasen bis 150 m vom Fahrzeug, im Frühjahr und im Herbst, und drückt das Ergebnis in Hasen pro 100 ha aus.[13] In der Wallonie erfolgt sie auf Abschnitten von 1 km, wobei die Hasen bis etwa 250 m erfasst werden, und muss mindestens drei Jahre in Folge wiederholt werden: Sie zeigt einen Trend und erlaubt keinen Vergleich zweier Reviere.[11] Im Département Gers lag der im Sommer, nach der Fortpflanzung, erhobene Kilometerindex 2024 über alle Zonen hinweg bei 1,17 Hasen pro Kilometer.[12] Diese Zählungen werden mit dem Jagdverband des Départements (Fédération départementale des chasseurs) organisiert: siehe unseren Ratgeber zum Aussetzen von Feldhasen.

Mehr als verzehnfacht

Der Bestand des Feldhasen in Finnland, nach den Spuren im Schnee (1989-2024).[10]

r = 0,987

Einfache Losungszählung gegenüber geräumten Probeflächen, in Neuseeland.[8]

Mindestens drei Jahre

Die Mindestdauer einer Scheinwerferzählung, um einen Trend abzulesen.[11]

Bei GIBIS

Vor einer Aussetzung hilft die Suche nach Hasenzeichen, das Revier kennenzulernen; danach helfen dieselben Zeichen zu sehen, ob sich die Tiere dort einleben. Unsere in Chatte aufgezogenen Junghasen und unsere Wildfang-Feldhasen werden auf der Seite unsere Feldhasen vorgestellt, das Vorgehen in unserem Ratgeber zum Aussetzen von Feldhasen. Die Fotografien dieses Artikels zeigen wildlebende Hasen und nicht unsere Tiere. Dieser Artikel ist vom Angebot unabhängig.

Quellen

  1. ↑Deutsche Wildtier Stiftung, *Ratgeber Fährten und Spuren*, Hamburg, o. J., deutschewildtierstiftung.de, abgerufen 2026 — Tritt, Spur und Fährte; Steckbriefe „Feldhase“ und „Kaninchen“; Maße an durchschnittlichen Rammlern genommen.
  2. ↑Hofmann H., „Spuren im Schnee – aber von wem?“, *Natürlich*, Nr. 1/2007, S. 20-23, übernommen auf waldwissen.net (WSL), 16. November 2007 — Spur und Fährte, Gangarten und „Hasensprung“ des Hasen, perlschnurartige Spur des Fuchses.
  3. ↑Macagno G., « Traces et indices », *Bourgogne-Nature Junior*, Nr. 3, 2011-2012, Bourgogne-Nature, bfcnature.fr — Läufe des Feldhasen, Losung von Hase und Kaninchen, Triebe und Rinde, Kaninchenkolonie.
  4. ↑Boisguérin J.-C. (LPO Lot), « Fientes, crottes, laissées, miroirs, moquettes, fumées et autres épreintes », Faune France, faune-france.org, abgerufen 2026 — Anwesenheitszeichen, Hasenlosung, Überlieferung zu Häsin und Rammler.
  5. ↑Forestry Commission, *Small mammals, beavers and domestic grazing species damage to trees: a visual guide*, GOV.UK, veröffentlicht am 4. September 2026, gov.uk — schräger Schnitt, Verbisshöhe, Spuren der Schneidezähne.
  6. ↑Kent Wildlife Trust, „Brown hare“, *Wildlife explorer*, kentwildlifetrust.org.uk, abgerufen 2026 — Sassen (forms), kein Bau.
  7. ↑Langbein J., Hutchings M. R., Harris S., Stoate C., Tapper S. C. & Wray S., „Techniques for assessing the abundance of Brown Hares *Lepus europaeus*“, *Mammal Review*, Bd. 29, 1999, S. 93-116 — Zusammenfassung abgerufen auf gwct.org.uk.
  8. ↑Perry M. E. & Robertson A. W., „Cleared and uncleared pellet plots as indices of brown hare density“, *New Zealand Journal of Ecology*, Bd. 36, Nr. 2, 2012, S. 157-163.
  9. ↑Fernández A. & Soriguer R. C., „Evaluación del empleo de estacas de madera como puntos de atracción para la liebre europea *Lepus europaeus* Pallas, 1778 en Navarra“, *Galemys*, Bd. 19, Nr. 1, 2007, S. 23-34.
  10. ↑Lindén A. & Piha M., *Pienten ja keskikokoisten riistanisäkkäiden kannanmuutokset 1989–2024. Lumijälkilaskentojen tulosraportti*, Luonnonvara- ja biotalouden tutkimus 40/2024, Luonnonvarakeskus (Luke), Helsinki, 2024 — englische Zusammenfassung: Zähldreiecke, Spurenindex, Feldhase.
  11. ↑Service public de Wallonie, *Comptage nocturne de lièvres : indice kilométrique par tronçons de 1 km (IK)*, Fassung vom 4. Januar 2018, biodiversite.wallonie.be — Methode und Formular.
  12. ↑Fédération départementale des chasseurs du Gers, *Infos Lièvre*, März 2025, chasse-nature-occitanie.fr — Ergebnisse der IK-Zählungen 2024, ICA und EPP.
  13. ↑Greiser G. & Martin I. (Thünen-Institut), *Kurzanleitung für die Scheinwerfertaxation ST Ost*, 2. Fassung, August 2020, für den Deutschen Jagdverband, jagdverband.de.

Siehe auch

Galerie

Siehe auch

Eine Frage zum Feldhasen?

Dieser Artikel ist Teil der Wild-Enzyklopädie von GIBIS, Züchter in Chatte (Isère) seit 1951. Für eine Frage zur Art oder zu einem Aussetzungsprojekt antwortet das Team telefonisch oder per E-Mail.

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